„Unser Ziel ist es, alle Lohndienstleister an die Blockchain anzuschließen.“

Transferprojekt mit EJOT treibt Vernetzung in einer Supply Chain voran

Wie kann vernetzte Wertschöpfung im Unternehmensalltag aussehen? Dieser Frage nähert sich die Firma EJOT SE & Co. KG zusammen mit ausgewählten Lohndienstleistern unterstützt von Expert:innen des Fraunhofer IML und dem zugehörigen Mittelstand-Digital Zentrum Ruhr-OWL. Das Mittelstand-Digital Zentrum Ruhr-OWL unterstützt KMU bei Vorhaben dieser Art, indem es Experten aus dem Bereich der Digitalisierung mit Unternehmen wie EJOT zusammenbringt und Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis schafft. Ein Teil dieser Zusammenarbeit wurde von den Beteiligten im Rahmen eines Transferprojektes angegangen. „Einsatz der Blockchain-Technologie zur Vernetzung mit Lohndienstleistern in einer Supply Chain“ ist der Titel. Und was sich genau dahinter verbirgt, erzählen Markus Rathmann, Chief Supply Chain Officer, und Simon Bald, Leiter SCM Strategie bei EJOT, im Interview.

1. Wieso haben Sie sich für ein Projekt entschieden, bei dem die Blockchain-Technologie im Zentrum steht?

Markus Rathmann: Wir bei EJOT sind offen für neue Themen. Uns ist es wichtig, neue Technologien zu erkennen und zu erschließen. Wir beschäftigen uns seit geraumer Zeit mit Digitalisierungsmaßnahmen, mit Künstlicher Intelligenz. Und wenn man sich mit diesen Themen und Technologien auseinandersetzt, stößt man unweigerlich auf die Blockchain-Technologie.

Simon Bald: Wir haben erkannt, dass die Supply Chain mit unseren Partnern schneller, leistungsfähiger und auch transparenter werden muss. In dem Bereich, den wir uns im Rahmen des Transferprojekts anschauen, gibt es noch viele manuelle, papierbasierte Tätigkeiten. Das möchten wir digitaler und schlanker abbilden. Dafür benötigen wir aber eine Technologie, die einen sicheren Datenaustausch möglich macht. Und da kann Blockchain einen großen Mehrwert bieten.

2. Wo genau setzen Sie in Ihrem Unternehmen an?

Simon Bald: Wir fokussieren uns auf einen gewissen Bereich unserer Supply Chain. Als Unternehmen, das Verbindungselemente herstellt, produzieren wir z.B. 10 Milliarden Schrauben pro Jahr. Jede Schraube erfährt im Produktionsprozess gewisse Veredelungsstufen. Sie wird gehärtet und beschichtet. 70 Prozent dieser Verfahren machen wir intern, der Rest läuft extern. Da kommen schnell 3.000 bis 4.000 Fertigungsaufträge zusammen, die parallel bei externen Partnern laufen. Und genau um diese Abwicklungsvorgänge geht es.

Markus Rathmann: Dieser Prozess läuft zurzeit noch papiergebunden. Und hier sind wir dann schnell wieder beim Thema Transparenz. Aktuell können wir nur schwierig nachvollziehen, wann die Ware zur Bearbeitung bei unseren externen Partnern eintrifft. Oder wann sie an uns zurückgeht. Und auch die Lohndienstleister haben im Grunde genommen keine Vorschau, von dem was sie mit ein, zwei Lkw-Ladungen bekommen. Hier profitieren beide Seiten von digitalen Abläufen und mehr Transparenz.

Simon Bald: Dann können unsere Lohndienstleister z.B. ihre Schichtplanung effizienter angehen und Fertigungsslots viel genauer planen. So werden Potenziale gehoben, die momentan nahezu unerreichbar sind. Und wir profitieren im Gegenzug natürlich von kürzeren Durchlaufzeiten und mehr Flexibilität.

3. Wie ist das Transferprojekt aufgebaut?

Markus Rathmann: Unser Ziel ist die digitale Anbindung unserer Lohndienstleister in die gemeinsame Wertschöpfungskette. Wir möchten auf diese Weise das Tracking der Waren optimieren und einen sicheren Dokumentenaustausch zwischen den beteiligten Unternehmen ermöglichen. Um das zu erreichen, haben wir gemeinsam mit dem Mittelstand-Digital Zentrum Ruhr-OWL und den Expert:innen des Fraunhofer IML drei Arbeitspakete festgelegt. Diese umfassen die Applikation im grundlegenden Design, die Entwicklung einer mobilen Web-Applikation und den Dokumentenupload auf der Collaboration-Plattform.

Simon Bald: Zusammen mit den Expert:innen haben wir das Frontend entwickelt und den Ablauf mit den ersten Grundfunktionen festgelegt. Eine Herausforderung ist dabei sicherlich, dass wir bei unseren Partnern auf unterschiedliche Systeme und Entwicklungsstände treffen. Wir brauchen also eine Möglichkeit, uns unabhängig von der jeweiligen Unternehmenssoftware mit unseren Lohndienstleistern zu koppeln. Dafür haben wir das Frontend so aufgebaut, dass - insbesondere kleinere -Betriebe mit weniger Bewegungen direkt mit dem Frontend auf einem Smart Device arbeiten können. Für Lohndienstleister, die mehr Traffic haben und strategisch in unsere Supply Chain eingebunden sind, arbeiten wir an einem Down- und Upload von kompletten Bestellbestand-Dateien.

4. Wie soll es nach Abschluss des Transferprojekts weitergehen?

Markus Rathmann: Nach der Pilotphase ist das Projekt definitiv nicht abgeschlossen. Wenn wir ein positives Fazit ziehen, wird unsere nächste Aufgabe sein, eine automatisierte Schnittstelle zwischen aufzubauen. Und neben den technischen Aspekten ist die Kommunikation mit unseren Lohndienstleistern wichtig. Wir müssen den Mehrwert der Vernetzung deutlich machen, den Win-Win-Effekt vermitteln. Denn das Projekt funktioniert nur, wenn die Lohndienstleister es aktiv und überzeugt mitgestalten. Dafür müssen wir unsere Partner frühzeitig miteinbeziehen. So sind wir das mit der einigen Lohndienstleistern auch bereits angegangen. Und unser Ziel ist es, langfristig alle Lohndienstleister an die Blockchain-Technologie anzuschließen. Wenn es uns schon gelingt, zehn anzuschließen, können wir 80 Prozent des Traffics abdecken.

5. Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit dem Mittelstand-Digital Zentrum Ruhr-OWL erlebt?

Simon Bald: Als sehr konstruktiv und sehr hilfreich. Die Expert:innen des Fraunhofer IML haben zusammen mit dem Mittelstand-Digital Zentrum Ruhr-OWL zum Beispiel die komplette Programmierung des Frontends und der dahinterstehenden Blockchain übernommen. Dafür haben wir intern weder das Know-how noch die Zeit. Aber wir möchten mit den Besten arbeiten und lernen – und da haben wir den richtigen Partner gefunden.

Markus Rathmann: Das Fraunhofer IML und das Mittelstand-Digital Zentrum Ruhr-OWL ist für uns ein Link zwischen Forschung und Praxis. Sie ermöglichen den Transfer neuer Technologien und Trends in die Unternehmen. Dieser Blick von außen und die Expertise haben uns sehr geholfen.