„KMU lassen sich verstärkt auf das Thema Künstliche Intelligenz ein.“

Im Gespräch mit Martin Friedrich, KI-Trainer des Mittelstand-Digital Zentrums Ruhr-OWL

 

Künstliche Intelligenz ist ein Zukunftsthema, das schon heute relevant ist – auch und gerade für kleine und mittlere Unternehmen. „Wenn KMU sich zukunftssicher und wettbewerbsfähig positionieren möchten, ist es sinnvoll, sich mit Künstlicher Intelligenz, ihren Chancen und Anwendungsmöglichkeiten zu beschäftigen“, weiß Martin Friedrich, KI-Trainer beim MDZ. Welche Rolle KI heute schon in kleinen Betrieben spielt und wie die Services des Mittelstand-Zentrums Ruhr-OWL KMU helfen können, mögliche Hürden bei der Einführung von KI-Maßnahmen zu überwinden, erzählt der Experte im Interview.

Wie hat sich die Rolle, die Künstliche Intelligenz in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) spielt, in den letzten Jahren verändert?

Als wir 2019 das KI-Trainer-Programm gestartet hatten, hatten KMU noch wenige Berührungspunkte in dem Bereich. Mittlerweile hat sich da aber einiges getan hat. Auch kleine und mittlere Betriebe haben begonnen, sich mit KünstIicher Intelligenz (KI) zu beschäftigen, sich zu informieren und auf das Thema einzulassen. Es gibt ein grundlegendes Wissen und Verständnis dazu was KI ist. Unsere Aufgabe ist es jetzt, den KMU zu zeigen, was sie in ihrem individuellen Unternehmensalltag damit machen können, was quasi ihr individueller Anwendungsfall ist. Natürlich sind manche auch bereits über diesen Punkt hinweg und setzten erste Projekt um. Aber die Mehrzahl ist noch dabei, sich zu sortieren und zu schauen, wie und wo sie KI einbringen können.

Was sind Ihrer Meinung nach aktuelle Trendthemen im Bereich Künstliche Intelligenz, mit denen sich Unternehmen auseinandersetzen sollten?

Das Thema Künstliche Intelligenz ist ein einziges Trendthema, sehr vielseitig, sehr schnelllebig und sehr branchenspezifisch. Eine KI-Anwendung oder -Entwicklung, die beispielsweise für die Logistikbranche relevant ist, muss einem Produktionsbetrieb nicht unbedingt Vorteile bringen. Während es für Logistikbetriebe zum Beispiel sinnvoll sein kann, mit Predictive Analytics zur Mengenvorhersage zu arbeiten, setzen viele Unternehmen mit eigenen Produktionen auf Predictive Maintenance. Grundsätzlich gilt: Man sollte Augen und Ohren offenhalten und bei dem Thema am Puls der Zeit bleiben. Dabei helfen wir Unternehmen mit unseren Informations- und Qualifizierungsangeboten rund um KI.

Welchen Herausforderungen sehen sich gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU) auch heute noch gegenüber, wenn es um die Einführung von KI-Technologien geht?

Eine große Hürde ist sicherlich, dass man die Expertise für die Umsetzung braucht. Diese Voraussetzung, also KI-Knowhow und eine entsprechende IT-Grundlage, ist bei KMU nicht immer gegeben. Sie haben natürlich die Möglichkeit, sich einen Anbieter reinzuholen, der unterstützt. Doch der Markt ist beschränkt. Alternativ gibt es fertige Lösungen, die in der Regel aber noch individuell an die Bedürfnisse des Unternehmens angepasst werden müssen. So oder so: Die Expertise muss aufgebaut werden. Und das ist natürlich auch mit hohen Kosten verbunden. Hinzu kommt ein gewisses finanzielles Risiko: Nicht jede KI-Entwicklung geht immer so auf, wie man sich das vorgestellt hat. Und ganz wichtig: Wer mit KI arbeiten möchte, braucht eine gewisse Datengrundlage.

Hier setzt unsere Arbeit an. Wir können Unternehmen mit unseren kostenlosen Angeboten und unserer Expertise dabei unterstützen, KI in ihre Prozesse zu integrieren. Dafür betrachten wir den Prozess ganzheitlich, begleiten die Betriebe von Anfang an und erstellen zum Beispiel eine Roadmap für das Unternehmen.

Wie begleiten Sie als KI-Trainer KMU bei ihrer digitalen Transformation?

Die Befähigungskette ist ähnlich aufgebaut wie bei der Digitalisierung. Wir müssen die KMU da abholen, wo sie stehen. Dazu fangen wir mit Einführungsvorträgen an, zeigen Beispiele und Demonstratoren und bieten LabTouren an. Auf Wunsch gehen wir auch direkt ins Unternehmen, entwickeln KI-Anwendungsfälle, definieren Roadmaps und begleiten Transferprojekte.

Können Sie ein Praxisbeispiel nennen, das zeigt, wie Künstliche Intelligenz Prozesse in Unternehmen optimieren kann?

Natürlich ist das von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Jede Lösung sollte so individuell sein, wie der Betrieb selbst. Aber es gibt auch Aufgaben und Anforderungen, die in den meisten Unternehmen anfallen und sich für eine Optimierung durch den Einsatz von KI anbieten. Beispiel: Angebotserstellung. Hier arbeiten wir zurzeit mit der Ferro Umformtechnik GmbH an einer Lösung, die KI integriert und Angebote automatisiert erstellt – mit hoher Genauigkeit und vor allem zeitsparend.

Konkret geht es darum, ein KI-System zu entwickeln, dass auf Basis von wenigen Informationen aus der Kundenanfrage in der Lage ist, automatisch die erforderlichen Arbeitspläne und Stücklisten zu generieren. Somit will Ferro die Antwortzeiten von bis zu einer Woche bei Anfragen drastisch reduzieren. Schließlich sollen auch mit der KI die IST-Zeiten in den einzelnen Arbeitsschritten zur permanenten Aktualisierung der SOLL-Zeiten verwendet werden. Derzeit kann dies nur mit erheblichem manuellem Aufwand geleistet werden, da die Zuordnung der tatsächlichen Arbeitsschritte zu den SOLL-Plänen eine „gewisse Intelligenz“ erfordern.

Mit diesem Transferprojekt bringen wir eine Anwendung auf den Weg, die für viele Unternehmen beispielhaft sein und auch in anderen Branchen implementiert werden kann.

Martin Friedrich, KI-Trainer im Mittelstand-Digital Zentrum Ruhr-OWL
Martin Friedrich, KI-Trainer im Mittelstand-Digital Zentrum Ruhr-OWL

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